EA Black Box

Der Titel ist Programm - und er stammt vom zweitgrößten Spielepublisher Electronic Arts (EA) selber! Höchstpersönlich meint EA in einer Pressemitteilung: “Lasst, die ihr eintretet, alle Hoffnung fahren!” Und weiter: “Electronic Arts wird Spielern eine Reise in den Abgrund bereiten.”

Zwar ist dies auf die Portierung des Literaturklassikers “Dantes Inferno” bezogen, passt aber perfekt zur aktuellen Firmenpolitik. Ich hatte mich schon fast gegen diesen Post entschieden, da die wenigsten, die diesen Blog lesen, wegen den Spielebeiträgen hier vorbei schaun - das mangelnde Interesse (in Kommentarform) am Left 4 Dead-Video hat es wohl gezeigt. Nach dem Lesen der Überschrift konnte ich es aber nun nicht lassen meine Meinung dazu kund zu tun.

Heute wurde offiziell, was nach der Talfahrt - ihr merkt die Wortspiele, die sich auf “Need for Speed” beziehen - der bisher sehr erfolgreichen und populären Need for Speed-Serie seit letztem Jahr, schon abzusehen war. EA hat das kanadische Entwicklerstudio Black Box geschlossen - 1.000 Mitarbeiter werden bis 31. März 2009 vor die Tür gesetzt. Black Box war seit 2002 (“Need for Speed: Hot Pursuit 2″) für alle Spiele der Rennspielserie verantwortlich. Nachdem Black Box in EA Canada eingegliedert wurde, machte die einst so auf teure Luxusschlitten konzentrierte Spieleserie mehrere 180°-Drehungen. “Underground” (2003) bot dem Spieler die Möglichkeit mit eher konventionellen Fahrzeugen wie dem VW Golf durch Aufmotzen das eigene Auto zu individualisieren - und das kam super an! Leider gab es keine Polizeiverfolgungsjagden mehr. “Underground 2″ (2004) fügte dann das “GTA”-Element Freie Welt hinzu. Auch nett, aber zu wenig Neues. Dann folgte das äußerst beliebte “Most Wanted” (2005), das das Tuning und die offene Welt aus “Underground 2″ mit den Polizeiverfolgungsjagden aus “Hot Pursuit 2″ mischte. Das zehnte “Need for Speed” - “Carbon” - erschien 2006 und fügte die ganz netten Canyonrennen hinzu - wieder ein Durchhängerjahr! So, nach einem Durchhänger kam ja bisher immer wieder ein innovativers “NfS”. Nach dieser Logik hätte 2007 ein gutes “Need for Speed” mit einer Menge Neuerungen kommen müssen - denkste! “Pro Street” nannte sich der bis dato größte Tiefpunkt der Serie. Zu sehr an einer Mischung aus der Action von Spielen wie “Grid” und “Burnout” orientiert und dem Simulationsverhalten eines “Gran Turismo”. Die Steuerung war schwammig, die Grafik immernoch auf dem Niveau von 2005 und das Fahrverhalten glich mehr einem Fehlverhalten.

Dieses Jahr gelobte EA dann mit dem 12. Serienteil “Undercover” Besserung. Das Ende vom Lied war, dass es ein schlechteres “Most Wanted” ist. Wieder Polizei, wieder etwas Tuning und wieder kaum Neuerungen. Die stagnierende Grafik wollte man durch Überblendeffekte aufhübschen, übetrieb es allerdings maßlos, sodass es teils schwer fällt, die Strecke zu erkennen. Der erneute Tiefpunkt war erreicht.

EA zog nun die Konsequenzen, wortwörtlich um die eigene Kasse zu retten, und schloss heute das Studio von Black Box. Dieses Schicksal ist bereits mehreren EA-Studios in letzter Zeit erfahren. Und da EA fleißig eingekauft hat, bleibt abzuwarten, ob beispielsweise Bioware (Rollenspielknaller wie “Knight of the Old Republic”, “Jade Empire”) in aktueller Form noch lange bestehen bleibt.

In Zukunft soll das vor wenigen Jahren eingekaufte Studio Criterion, die die actionreiche “Burnout”-Serie (noch) entwickeln, die “Need for Speed”-Reihe vorantreiben. Ob das nächstes Jahr gelingt, wird sich zeigen. Criterion hat jedoch allen Anreiz dies zu machen, da ihnen sonst ein ähnliches Schicksal über kurz oder lang ereilen wird.

EA muss endlich lernen, weniger Druck auf die Entwicklerstudios auszuüben und schlimmstenfalls auch mal eine Serie ein Jahr aussetzen. Man sieht es doch aktuell bei allen EA Sportspielen. “FIFA”, “Madden NFL”, “NHL” und “NBA” - sie alle sind auf dem Stand von einigen Jahren und bieten nur sehr wenige Neuerungen - “FIFA” mal ausgenommen, das sich nach ca. 3 Jahren nun auch auf dem PC mit PS3-Optik schmücken darf. Neuerungen sind Pflicht - das zeigt Take 2 mit ihrer 2k-Sportsreihe (NBA, NHL), die sich bald besser als die EA-Produkte verkaufen wird - und das trotz weniger Lizenzen - hat da jemand “Pro Evolution Soccer” gerufen? :-D

Auch in anderen Spielebereichen sieht es ähnlich aus. Zwar hat man mit “Dead Space” einen Horrorknaller mit viel Innovation rausgehauen, plant nun aber schon wieder eine ganze Franchise mit unendlichen Fortsetzungen. Gleiches Bild ergibt sich beim klasse Ego-Hüpfspiel “Mirror’s Edge” (zu beiden wird es noch kommentierte Videos geben).

EA sollte mehr auf die Spieler und seine Entwickler hören. Sonst wird nicht EA den Spielern die Reise in den Abgrund bereiten, sondern die Spieler werden EA in den Abgrund führen und deren Produkte nicht mehr kaufen.